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Was ist eine BWA? Abkürzung, Bedeutung und Unterschied zum Jahresabschluss

Von Johann Degraf, FinanzwirtAktualisiert am 7 Min. Lesezeit

BWA steht für betriebswirtschaftliche Auswertung: eine der häufigsten Abkürzungen in der Buchhaltung und zugleich eine der nützlichsten Auswertungen für Selbständige. Dieser Beitrag erklärt in einfachen Worten, wofür BWA steht, was in einer BWA steht, wie Sie sie Zeile für Zeile lesen und wo der Unterschied zum Jahresabschluss liegt.

BWA: wofür steht die Abkürzung?

BWA ist die Abkürzung für betriebswirtschaftliche Auswertung. Gemeint ist eine kurze, regelmäßige Übersicht, die zeigt, wie sich Ihr Betrieb wirtschaftlich entwickelt: Umsatz, Kosten und das Ergebnis, meist Monat für Monat. Gelegentlich liest man sie auch mit Punkten als „B.W.A.“ geschrieben. Gemeint ist dasselbe.

Die BWA entsteht direkt aus Ihrer laufenden Buchhaltung. Sobald die Geschäftsvorfälle eines Monats gebucht sind, lassen sich daraus die wichtigsten Kennzahlen ablesen. Sie müssen dafür nichts zusätzlich liefern: die Zahlen sind ja schon erfasst.

Was steht in einer BWA?

Im Kern beantwortet eine BWA drei Fragen: Was haben Sie eingenommen, was haben Sie ausgegeben und was bleibt unterm Strich übrig? Dazu kommen meist ein Vergleich zum Vormonat und zum Vorjahreszeitraum, damit Sie Entwicklungen erkennen, statt nur einen Monatswert zu sehen.

Sinnvoll wird die BWA aber erst, wenn die Zahlen verständlich aufbereitet sind, als Kennzahlen, nicht als ausgedruckter Zahlenfriedhof. Dann sehen Sie auf einen Blick, ob die Kosten davonlaufen oder ob ein guter Monat wirklich ein guter Monat war.

Wie ist eine BWA aufgebaut und wie lesen Sie sie?

Eine BWA lesen Sie am besten von oben nach unten, denn genau so ist sie aufgebaut. Ganz oben stehen die Umsatzerlöse, also was Sie eingenommen haben. Zusammen mit den Bestandsveränderungen ergeben sie die Gesamtleistung: die Bezugsgröße, auf die sich die Prozentwerte der BWA beziehen. Davon werden zunächst der Wareneinsatz beziehungsweise die Materialkosten abgezogen; übrig bleibt der Rohertrag, das, was nach dem direkten Aufwand für Ihre Leistung verbleibt.

Darunter folgen die laufenden Kosten: Personal, Raum, Fahrzeuge, Versicherungen, sonstige Ausgaben. Am Ende der Aufstellung steht das vorläufige Ergebnis: der Wert, der unterm Strich für den Zeitraum übrig bleibt. Daneben zeigt die BWA meist mehrere Spalten: den aktuellen Monat, den Vormonat und den aufgelaufenen Wert für das laufende Jahr.

Die meisten Betriebe in Deutschland erhalten ihre Auswertung in einem einheitlichen Schema, der sogenannten Standard-BWA. Am weitesten verbreitet ist die Standard-BWA von DATEV. Dieser feste Aufbau hat einen Vorteil: Eine BWA sieht jeden Monat gleich aus, sodass Sie Veränderungen sofort an derselben Stelle finden.

Gerade in der Buchhaltung für Handwerksbetriebe fallen Bestandsveränderungen häufiger an, etwa durch noch nicht abgerechnete Aufträge oder unfertige Leistungen am Monatsende.

PositionMonat% Ges.-Leist.VormonatKumuliert
Umsatzerlöse19.000 €95 %18.000 €93.000 €
+ Bestandsveränderungen1.000 €5 %500 €3.000 €
= Gesamtleistung20.000 €100 %18.500 €96.000 €
− Wareneinsatz & Material7.000 €35 %6.700 €33.600 €
= Rohertrag13.000 €65 %11.800 €62.400 €
− Personalkosten5.000 €25 %4.900 €24.500 €
− Raumkosten1.200 €6 %1.200 €6.000 €
− Kfz-Kosten800 €4 %700 €3.800 €
− Abschreibungen1.000 €5 %1.000 €5.000 €
− Sonstige Kosten1.000 €5 %900 €4.800 €
= Betriebsergebnis4.000 €20 %3.100 €18.300 €
+/− Neutrales Ergebnis−200 €−1 %−200 €−1.000 €
= Ergebnis vor Steuern3.800 €19 %2.900 €17.300 €
− Steuern vom Einkommen und Ertrag800 €4 %600 €3.500 €
= Vorläufiges Ergebnis3.000 €15 %2.300 €13.800 €
Vereinfachtes, frei erfundenes Beispiel im Aufbau einer Standard-BWA. Ihre BWA fällt anders aus.

Die wichtigsten Kennzahlen und was sie verraten

Die erste Schlüsselzahl ist der Rohertrag: Gesamtleistung minus Wareneinsatz beziehungsweise Materialkosten. Er zeigt, was nach dem direkten Aufwand für Ihre Leistung übrig bleibt, also der Spielraum, aus dem alle weiteren Kosten gedeckt werden müssen. Sinkt der Rohertrag bei gleicher Gesamtleistung, sind Ihre Einkaufs- oder Materialkosten gestiegen.

Noch aussagekräftiger werden die Zahlen als Quoten, jeweils im Verhältnis zur Gesamtleistung (die bei vielen Betrieben dem Umsatz entspricht). Eine Rohertragsquote von 65 % oder eine Personalkostenquote von 25 % lässt sich Monat für Monat vergleichen, unabhängig davon, ob die Gesamtleistung gerade hoch oder niedrig war. So erkennen Sie, ob sich Ihre Kostenstruktur verschiebt, und nicht nur, ob ein Monat zufällig stark war.

Vom Betriebsergebnis zum vorläufigen Ergebnis

Nach den laufenden Kosten steht das Betriebsergebnis: das, was Ihr eigentliches Geschäft im Zeitraum abwirft. Darunter folgt das neutrale Ergebnis: Posten außerhalb des operativen Kerngeschäfts, etwa Zinsen sowie periodenfremde oder außerordentliche Vorgänge. Beide zusammen ergeben das Ergebnis vor Steuern, Ihren Gewinn vor Steuern.

Ganz unten weist die Standard-BWA noch die Steuern vom Einkommen und Ertrag aus; was nach deren Abzug übrig bleibt, ist das vorläufige Ergebnis. In dieser Steuerzeile stehen in der Praxis meist nur gebuchte Vorauszahlungen. Wie hoch Ihre Steuer am Ende wirklich ausfällt, ermittelt Ihr Steuerberater im Jahresabschluss.

Das Wort „vorläufig“ ist deshalb entscheidend: Die BWA ist eine unterjährige Momentaufnahme, nicht Ihr endgültiger steuerlicher Gewinn. Einige Positionen (etwa Rückstellungen, Bewertungen oder periodengerechte Abgrenzungen) fließen erst zum Jahresende vollständig ein. Die BWA dient der laufenden Steuerung; sie zeigt die Richtung, nicht die endgültige Steuerzahl.

Monat, Vormonat, kumuliert: die Vergleichsspalten lesen

Eine einzelne Zahl sagt wenig. Deshalb stehen in der BWA mehrere Spalten nebeneinander: im Beispiel oben der aktuelle Monat, der Vormonat und der kumulierte Wert für das laufende Jahr. Erst dieser Vergleich macht aus einer einzelnen Zahl eine Aussage.

Lesen Sie deshalb in Bewegungen, nicht in Momentaufnahmen: Sind die Materialkosten gegenüber dem Vormonat gestiegen? Wie entwickelt sich das kumulierte Ergebnis über das Jahr? Ein guter oder schwacher Einzelmonat fällt erst im Verlauf richtig ins Gewicht. Die Vergleichsspalten sind dafür Ihr wichtigstes Werkzeug.

Häufige Stolperfallen beim BWA-Lesen

Die häufigste Verwechslung ist, das vorläufige Ergebnis für den verfügbaren Gewinn zu halten. Ebenso wichtig ist der Zeitpunkt: je nach Buchungsweise kann ein großer Zahlungseingang einen Monat stark aussehen lassen, der wirtschaftlich zu einem anderen Zeitraum gehört.

Außerdem gilt: Eine BWA ist nur so aktuell wie die Buchhaltung dahinter. Fehlen Belege oder ist ein Monat noch nicht fertig gebucht, sind die Zahlen unvollständig. Eine aktuelle, vollständige laufende Buchhaltung ist die Voraussetzung dafür, dass die BWA überhaupt verlässlich etwas aussagt.

Unterschied: BWA und Jahresabschluss

BWA und Jahresabschluss werden oft verwechselt, sind aber zwei verschiedene Dinge. Die BWA ist eine unterjährige Auswertung: Sie begleitet das laufende Jahr und zeigt Monat für Monat, wo Sie gerade stehen. Sie dient der Steuerung im Alltag, nicht dem Finanzamt.

Der Jahresabschluss dagegen wird einmal jährlich erstellt und schließt das Geschäftsjahr offiziell ab. Er ist die Grundlage für die Steuererklärung und unterliegt festen gesetzlichen Vorgaben. Das Erstellen des Jahresabschlusses ist Aufgabe Ihres Steuerberaters, nicht Teil der laufenden Buchhaltung.

Beide bauen aufeinander auf: Je sauberer die laufende Buchhaltung und die monatliche BWA sind, desto schneller und einfacher ist am Jahresende der Jahresabschluss. Eine gut geführte BWA ist also gewissermaßen die Vorarbeit, von der Ihr Steuerberater profitiert.

BWA

Zeitraum
laufend, meist monatlich
Zweck
Steuerung im Alltag
Grundlage für
interne Entscheidungen
Erstellt von
der laufenden Buchhaltung
Empfänger
Sie selbst, auf Anfrage die Bank
Pflicht fürs Finanzamt
nein
Genauigkeit
vorläufig, ohne Abschlussbuchungen wie Rückstellungen und exakte Abschreibungen

Jahresabschluss

Zeitraum
einmal pro Jahr
Zweck
Abschluss des Geschäftsjahres
Grundlage für
u. a. die Steuererklärung
Erstellt von
Ihrem Steuerberater
Empfänger
Finanzamt, Banken, ggf. Bundesanzeiger
Pflicht fürs Finanzamt
ja
Genauigkeit
endgültig und verbindlich

Was die Bank sehen will: meistens beides

Spätestens bei einer Finanzierung begegnen sich beide Zahlenwerke: Banken verlangen üblicherweise die Jahresabschlüsse der letzten Jahre und dazu eine aktuelle BWA, oft ergänzt um die Summen- und Saldenliste. Die Logik dahinter: Der Abschluss zeigt verlässlich die Vergangenheit, die BWA zeigt, wie das laufende Jahr sich entwickelt. Ein Betrieb, der jeden Monat eine saubere BWA vorlegen kann, wirkt dabei nicht nur transparenter, er kann Anfragen auch in Tagen statt Wochen beantworten.

Warum BWA und Jahresabschluss fast nie dasselbe Ergebnis zeigen

Die häufigste Verwirrung entsteht, wenn das BWA-Ergebnis vom Dezember nicht zum späteren Jahresabschluss passt. Das ist normal und hat handfeste Gründe: In die BWA fließt ein, was laufend gebucht ist. Der Jahresabschluss ergänzt die sogenannten Abschlussbuchungen, die es unterm Jahr noch gar nicht geben kann: exakt berechnete Abschreibungen, Rückstellungen etwa für ausstehende Rechnungen oder Urlaubsansprüche, Abgrenzungen von Zahlungen, die wirtschaftlich ins nächste Jahr gehören, und die Bewertung von Vorräten und unfertigen Leistungen.

Dazu kommt die zeitliche Verschiebung im Alltag: Eine Dezember-Rechnung, die erst im Januar eintrifft, steht in der Dezember-BWA noch nicht drin. Die BWA ist deshalb kein schlechteres Zahlenwerk. Sie beantwortet nur eine andere Frage: nicht „Was ist das amtliche Jahresergebnis?“, sondern „Wie läuft der Betrieb gerade?“. Wie Sie diese Frage aus den BWA-Zeilen herauslesen, zeigt der Abschnitt zum Aufbau der BWA weiter oben.

Wie oft bekomme ich eine BWA?

Üblich ist die monatliche BWA: Nach Buchungsschluss eines Monats erhalten Sie Ihre Auswertung, idealerweise immer zum gleichen Zeitpunkt, damit Sie sich darauf verlassen können. Wer seltener bucht, bekommt die BWA entsprechend seltener; je aktueller die Buchhaltung, desto aussagekräftiger die Zahlen.

Wichtig ist weniger, dass die BWA pünktlich kommt, als dass jemand die wichtigsten Veränderungen kurz einordnet. Eine Zahl allein sagt wenig. Erst der Hinweis „die Materialkosten sind diesen Monat um 12 % gestiegen“ macht sie nutzbar.

BWA erstellen lassen

Wenn Sie Ihre BWA nicht selbst zusammenstellen wollen, lässt sie sich erstellen lassen, als Teil der laufenden Buchhaltung. Bei NumPro ist die monatliche BWA in Form von Kennzahlen im Festpreis enthalten: Sie sehen jeden Monat, wo Ihr Betrieb steht, inklusive einer kurzen Einordnung der wichtigsten Veränderungen.

Häufig gefragt: Was kostet eine BWA? Pauschal lässt sich das kaum beziffern: es kommt darauf an, ob sie einzeln abgerechnet oder, wie bei NumPro, als Teil der laufenden Buchhaltung erbracht wird. Was Ihr monatlicher Festpreis inklusive BWA ausmacht, rechnet Ihnen der Festpreisrechner in einer Minute aus.

So haben Sie die Zahlen, die Sie zur Steuerung brauchen, und Ihr Steuerberater bekommt zugleich eine monatsaktuelle Grundlage für seine Arbeit, Hand in Hand, ohne doppelten Aufwand.

Häufige Fragen

Was bedeutet die Abkürzung BWA?
BWA steht für betriebswirtschaftliche Auswertung: eine regelmäßige, meist monatliche Übersicht über Umsatz, Kosten und Ergebnis Ihres Betriebs, erstellt aus der laufenden Buchhaltung.
Wie lese ich eine BWA richtig?
Lesen Sie die BWA von oben nach unten: von der Gesamtleistung über die Kosten bis zum vorläufigen Ergebnis. Aussagekräftig wird sie, wenn Sie in Quoten (Anteil an der Gesamtleistung) und in den Vergleichsspalten (Vormonat, kumuliert) denken statt in einzelnen Zahlen.
Was ist eine Standard-BWA?
Die Standard-BWA ist ein einheitliches Schema für betriebswirtschaftliche Auswertungen. Dank des gleichbleibenden Aufbaus sieht Ihre BWA jeden Monat gleich aus, sodass sich Veränderungen leicht ablesen und vergleichen lassen.
Ist das vorläufige Ergebnis in der BWA mein Gewinn?
Nicht ganz. Die BWA zeigt zuerst das Ergebnis vor Steuern (Ihren Gewinn vor Steuern) und darunter, nach Abzug der Steuern vom Einkommen und Ertrag, das vorläufige Ergebnis. Beides ist eine unterjährige Momentaufnahme: Positionen wie Rückstellungen oder periodengerechte Abgrenzungen fließen erst zum Jahresende ein, und die endgültige Steuer ermittelt Ihr Steuerberater im Jahresabschluss.
Was ist der Unterschied zwischen BWA und Jahresabschluss?
Die BWA ist eine unterjährige Auswertung zur laufenden Steuerung und zeigt Monat für Monat, wo Ihr Betrieb steht. Der Jahresabschluss schließt das Geschäftsjahr einmal jährlich offiziell ab und ist Grundlage der Steuererklärung. Seine Erstellung übernimmt Ihr Steuerberater.
Kann ich meine BWA erstellen lassen?
Ja. Im Rahmen der laufenden Buchhaltung lässt sich die monatliche BWA als Kennzahlen-Übersicht erstellen. Bei NumPro ist sie im monatlichen Festpreis enthalten, inklusive kurzer Einordnung der wichtigsten Veränderungen.
Was kostet eine BWA?
Das hängt davon ab, ob die BWA einzeln berechnet oder als Teil der laufenden Buchhaltung erbracht wird. Bei NumPro ist die monatliche BWA in Form von Kennzahlen ohne Aufpreis im Festpreis enthalten. Einen gesonderten Betrag dafür zahlen Sie nicht.
Warum weicht meine BWA vom Jahresabschluss ab?
Weil der Jahresabschluss Abschlussbuchungen enthält, die es unterm Jahr noch nicht gibt: exakte Abschreibungen, Rückstellungen, Abgrenzungen und Bewertungen. Dazu kommen zeitliche Verschiebungen, etwa Rechnungen, die erst nach Monatsende eintreffen. Abweichungen sind deshalb normal.
Wer darf eine BWA erstellen?
Die BWA entsteht aus der laufenden Buchhaltung. Ein selbständiger Buchhalter darf nach § 6 Absatz 1 Nummer 1 StBerG das Buchen laufender Geschäftsvorfälle und betriebswirtschaftliche Auswertungen in Form von Kennzahlen übernehmen. Jahresabschluss und Steuererklärungen bleiben dem Steuerberater vorbehalten.
Welche Unterlagen will die Bank bei einem Kredit sehen?
Üblich sind die Jahresabschlüsse der letzten zwei bis drei Jahre plus eine aktuelle BWA aus dem laufenden Jahr, oft ergänzt um die Summen- und Saldenliste. Mit einer monatlich gepflegten Buchhaltung liegen diese Unterlagen jederzeit vor.

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